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Weltblutspendertag - „Auf zum Fest an der Brücke“

30.06.2014

Stefanie Fritzsche

Grenzüberschreitende Aktion in Kehl und Straßburg: Anlässlich des Weltblutspendertag konnten Kehler wie Strassburger am Samstag, 14. Juni eine Premiere erleben: Die erste große gemeinsame Blutspendeaktion des französischen Blutspendedienstes im Elsass EFS (Etablissement Francais du Sang) und dem Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

In die Kehler Stadthalle kamen insgesamt 231 Blutspender, darunter auch Corinne und Markus Dierle samt Tochter Isis. Beide spenden seit 1997 Blut, der 37-Jährige hat dies nun schon zum 25. Mal gemacht: „Ich habe auch einen Organspenderausweis und wird sind in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert.“ Wie wichtig ihr Engagement ist, hat die Kehler Familie selbst erlebt. Er sagt: „Bei der Geburt unserer Tochter ist viel schiefgegangen.“ Und deshalb wurde eine Bluttransfusion benötigt. Die nun zwölfjährige Tochter möchte auch Blut spenden, wenn sie das nötige Alter von 18 Jahren erreicht hat.
 
Sabine Maier (54) aus Kehl-Marlen ist Beamtin und hat am 14. Juni zum 36. Mal Blut gespendet, ihr Sohn Simon (24) zum 7. Mal. Auch sie wissen, wie wichtig dies ist: Sein Zwillingsbruder hat schon bei einer Operation Blut benötigt, außerdem eine Studienkollegin wegen einer Erkrankung an Leukämie. Zu den Spende-Terminen lockt sie weder das Essen noch die kleinen Geschenke. Für Simon Maier ist klar: „Wir wollen einfach etwas Gutes tun“.

Nach der Blutspende konnte man sich per Fahrradrikscha direkt an die Passerelle und das Rheinufer bringen lassen. Auf der französischen Seite des Rheins ist ein großer Park, der seit zehn Jahren über die moderne Brücke der zwei Ufer für Fußgänger erreichbar ist. Dort hatte die EFS ihre Zelte aufgeschlagen. Anne-Marie Brisbois war eine der vielen Blutspender auf dieser Seite des Rheins: „Ich habe damit erst vor zwei Jahren angefangen und bin jetzt bei der sechsten Spende.“ Danach wollte sie noch über die Brücke, denn es wurde einiges geboten: Auf der französischen Seite gab es Theater und Konzerte, wobei auch mal ein Mann tanzte, der als riesiger Blutstropfen verkleidet war. Außerdem wurde an einem Stand über den „Eurodistrict Straßbourg-Ortenau“ informiert, an dem des Europarats war Blutspende das dominierende Thema.

Auch auf der deutschen Seite spielten „Claus S. & Friends“ auf einer Bühne Klassiker unter andere von Cat Stevens, Bob Dylan, Pink Floyd. Und dort redeten gegen Mittag französische und deutsche Politiker sowie Vertreter von DRK und EFS vor rund 200 Zuhörern.

Jochen Klaus Glaeser, Präsident des Badischen Roten Kreuzes, sprach zuerst und erklärte, dass zwar bei bestimmten Operationen weniger Blutkonserven benötigt werden und deshalb derzeit die Nachfrage etwas zurückgegangen sei, aber nach wie vor die Spenden benötigt werden. Und dies auch künftig, denn er glaubt nicht daran, dass es in absehbarer Zeit möglich ist, künstliches Blut herzustellen. Dr. Ekkehard Richter, ärztlicher Leiter des DRK Blutspende-Instituts in Baden-Baden, erläuterte, das es 2013 157 Spendeaktionen in der Ortenau gegeben habe mit 28.400 Spenden. Das Motto des Weltblutspendertages laute „Give blood for those who give live“ - „Gebe Blut für die, die Leben geben“. Weltweit würden viele Frauen bei der Geburt sterben, weil Blutpräparate fehlen. Richter erzählte, dass Kehl nach der Gründung des Blutspendedienstes im Jahr 1958 der erste Ortsverein gewesen sei, der eine Spendenaktion organisierte.

Eberhard Brachhold, Regionalleiter Baden des DRK-Blutspendedienstes, knüpfte dort an: Er stellte Liselotte Blasy, Lotte Göppert (88) und Lisa Simm (89) vor, die damals geholfen hatten. Sie erhielten einen Blumenstrauß als Dank. Brachhold betonte: „Der Weltblutspendertag ist ein großer Dank für Spender und auch die Helfer. Ohne sie wären die Blutspendeaktionen nicht möglich.“ Der neue Oberbürgermeister von Kehl, Toni Vetrano, ging auf die Entwicklung zwischen den Ländern ein: „Vor 40 Jahren hat man oft über eine Stunde benötigt, um über die Europabrücke zu kommen. Wir rücken näher zusammen.“

Dr. Christian Gachet, Direktor von EFS Alsace, erklärte, dass im Elsass täglich 600 Blutspenden benötigt werden. Sein Mitarbeiter Jean-Marc Oisan ergänzte, dass das gemeinsame Fest ein Symbol zwischen Menschen in Deutschland und Frankreich sein soll wie die Brücke, die von einem Land zum anderen geht. Dr. Alexandre Feltz, Vizepräsident der Stadtgemeinschaft Straßburg, betonte: „Vor 70 Jahren floss hier da Blut aus anderem Anlass, heute wird es grenzüberschreitend gespendet.“ Corinne Frech von Hitradio Ohr moderierte und übersetzte abwechselnd Zusammenfassungen ins deutsche oder französische.

Auf der deutschen Rheinseite wurde vom DRK Kreisverband Kehl viel geboten: An einem Infostand lagen viele Broschüren aus und es gab einiges zu kaufen. Gabriele Huschle vom Ortsverein Appenweier erklärte, dass vor allem kleine Verbandspäckchen für Kinder beliebt waren. Die DRK Rettungshundestaffel Offenburg präsentierte Schauvorführungen, was die Tiere können. Sie sind, so Hundeführerin Anja Wichert, unter anderem dafür ausgebildet, in einer Fläche nach Personen zu suchen, nach einer Geruchsprobe bestimmte Menschen ausfindig zu machen oder Verschüttete zu finden. Birgitt Bierich leitet das Auskunftsbüro des Kreisverbandes Kehl. An einem Stand erklärten sie und weitere Helfer, wie der Suchdienst des DRK arbeitet und was er leisten kann - bei Katastrophen Angehörigen von möglichen Opfern Auskunft geben, wo sich diese Personen befinden. Weiter hat der örtliche Verein Courage Fahrräder codiert.

Zur Vorgeschichte der ersten großen Blutspendeaktion von DRK und EFS: 2005 wurden Blutspender aus dem Elsass vom damaligen Kehler Oberbürgermeister Günther Petry im Rathaus begrüßt, zwei Jahre später erfolgte ein Treffen auf der anderen Rheinseite. Kontakte wurden von den ehrenamtlichen Blutspende-Helfern beidseits des Rheins immer wieder aufgefrischt. Dabei wurde dann der Wunsch stärker, auch einmal eine große, gemeinsame Aktion am Weltblutspendertag zu machen. Und was ist geplant? Eberhard Brachhold, Regionalleiter Baden des DRK-Blutspendedienstes, erklärt: „Die Partnerschaft wird weiter bestehen und es wird sich bestimmt noch einiges tun!“

Roland Schmellenkamp/ Stefanie Fritzsche

BILDER ZUM BEITRAG

KOMMENTARE ZUM BEITRAG

Klaus Gees 09.07.2014, 18:39 Uhr

Gute Aktion - schade, dass ich nach wie vor zwei Blutspenderausweise (DRK & EFS) haben muß und mich selbst um die grenzübershreitenden Termine jenseits von Spezialaktionen kümmern muß.

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