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Den Ruhestand planen: Als Helferin beim Blutspenden

24.01.2020

Eberhard Brachhold

Villingen-Schwenningen- Isabell Martin-Kech war schon immer ganz dicht dran an den Menschen. Viele Jahrzehnte half die gelernte Bankkauffrau planvoll und kompetent ihren Sparkassenkunden zum Überblick bei Geldanlagen und zum finanziellen Erfolg. Am 63. Geburtstag war der Ruhestand in Sicht. Nach 46 Berufsjahren die beste Gelegenheit, eine neue, erfüllende Tätigkeit zu beginnen: als Helferin bei den Blutspende-Aktionen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

„Geht’s ihnen gut?“ Mit freundlichen Augen strahlt Isabell Martin-Kech die junge Frau auf der Liege an. Zum ersten Mal war diese dem Aufruf zur Blutspende in das DRK-Haus nach Schwenningen im Südwesten Baden-Württembergs gefolgt. Ganz entspannt liegt ihr Arm mit der Entnahmenadel am Körper und beide beobachten nun, wie sich der Abnahme-Beutel zur 500-Milliliter-Marke füllt. „Alles prima! Es ist viel einfacher als gedacht.“ Ein paar nette, aufmunternde Worte hin und her … und schon wird die Ruheständlerin am nächsten Bett gebraucht. Ein anderer Spender ist gerade fertig geworden. Isabell Martin-Kech hilft ihm behutsam aufzustehen und begleitet ihn zu seiner Sicherheit in den Ruhebereich.

„Ich hätte im Ruhestand bestimmt keine Langeweile gehabt“, lacht Martin-Kech. „Das denken viele und fallen dann, wenn es soweit ist, trotzdem in ein Loch“. Dazu wollte sie es nicht kommen lassen. „Ich bin ein Mensch, der plant. So habe ich auch mein Leben nach der Sparkasse geplant“. Zum Deutschen Roten Kreuz hatte sie bislang keinen Kontakt, ging aber ganz gezielt auf den DRK-Ortsverein zu. Immer wieder waren ihr die Plakate und Werbebanner für die Blutspende-Aktionen im DRK-Haus aufgefallen. Ihre Erkenntnis: „Das ist sinnvoll. Hier kann ich mit Menschen zusammen sein und mich nützlich machen“.

Mithilfe bei der Blutspende als Ruhestands-Aufgabe bewusst ausgesucht.

An Alternativen hätte es der Ruheständlerin nicht gemangelt. Sechs Enkel bringen schon viel Aufgaben und Abwechslung. „Ich mache gerne Omatag, möchte aber auch Zeit für mich selbst haben, für selbstbestimmte Dinge und Reisen, gemeinsam mit meinem Mann“. Auch im Sport hätte die aktive Handball-Trainerin sich weiter ausleben können. Diese Verpflichtung und Spieltermine am Wochenende wollte sie nicht mehr weiterführen. „Die Blutspende habe ich mir ganz bewusst ausgesucht“, so Martin-Kech.

Die Blutspende bietet viele Einsatzmöglichkeiten.

Von der Referentin des DRK-Blutspendedienstes ließ sie sich die vielen Einsatzmöglichkeiten zeigen: An der Anmeldung, in der Küche, als Helferin am Bett, bei Werbung und Organisation, bei der Kinderbetreuung und vielem mehr. Die Ruheständlerin entschied sich für die Mithilfe direkt am Spendebett. „Hier bin ich bei den Leuten, kann aufmuntern, einen kleinen Scherz machen und die Entnahme-Schwestern unterstützen“.

Vor allem Erstspender zu begleiten ist Isabell Martin-Kech ein Anliegen: „Ich bin für sie da, spreche mit ihnen, kann ablenken, wenn jemand etwas ängstlich ist, kümmere mich um Kleinigkeiten …“. Ihre offene, freundliche Art hilft dabei und die Zeit vergeht wie im Flug. „Jeder hat was zum Schwätzen, sei es Weihnachten, der Krimi oder die Ausbildung“. Von Problemen kann sie nicht berichten und weiß auch warum: „Wie man in den Wald hineinruft, kommt es zurück“.

„Das ist gut machbar. Da muss ich mich nicht verausgaben“.

Die Termine der Blutspende-Aktionen hat sie schon für das ganze Jahr im Kalender. Ein- bis zwei Mal im Monat ist sie am Nachmittag im Einsatz im DRK-Haus und bei speziellen Terminen in der Dualen Hochschule oder in der Polizeifachschule. „Das ist gut machbar. Da muss ich mich nicht verausgaben“, sagt Isabell Martin-Kech. Die langfristige Planung lässt zudem genügend Spielraum für alle weiteren privaten Vorhaben auf der Ruhestands-Liste.

„Ungebundene Helfer“ sind versichert

Sehr gut aufgenommen wurde sie von den anderen Ehrenamtlichen, die oft schon jahrelang dabei sind. Nie hatte sie das Gefühl, als Neue misstrauisch beäugt zu werden. Eine Mitgliedschaft im DRK oder der Besuch von Dienstabenden ist nicht verpflichtend. Beim DRK-Ortsverein wird Isabell Martin-Kech als „ungebundene Helferin“ geführt, ist versichert und kann an Fortbildungen teilnehmen. „Diese Freiheit schätze ich“, sagt sie.  Unverzichtbar sind für sie auch im Ehrenamt Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft, doch sie schätzt die Tätigkeit auf Abruf. Das macht den Einsatz planbar, ohne sich zeitlich zu sehr zu binden. „Meine Kinder finden das gut und mein Ehemann unterstützt das“, weiß die Ruheständlerin. „Das passt für mich!“

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