Logo DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen

DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen und Universitätsklinikum Frankfurt eröffnen erste Frauenmilchbank in Hessen

15.07.2019

Stefanie Fritzsche

Im Juli 2019 hat die erste Frauenmilchbank in Hessen eröffnet. Das Problem ist bekannt: Nicht jede Mutter kann mit eigener Muttermilch ihr Kind stillen. Insbesondere für „Frühchen“, frühgeborene Babys, ist es teils überlebenswichtig, mit humaner Milch ernährt zu werden. Für diese Babys wird Spenderinnenmilch benötigt. Aus diesem Grund, hat die erste Frauenmilchbank in Hessen die Arbeit aufgenommen.

Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen und des Universitätsklinikum Frankfurt co-initiiert durch eine Anschubfinanzierung der Kinderhilfestiftung e.V. Frankfurt am Main und dem Frankfurter Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen e.V. In Deutschland gibt es derzeit aktuell 23 Frauenmilchbanken, 15 in den neuen und acht in den alten Bundesländern. Wir freuen uns, dass Hessen nun auch zu den Bundesländern dazu zählt. 

Neonatologie und Blutspendedienst arbeiten Hand in Hand

Doch wie kommen nun die Spenderinnen und die Neugeborenen zusammen? In der Abteilung für  Neonatologie, d.h. dem Bereich der Kinder- und Jugendmedizin, welcher sich mit den Erkrankungen Neugeborener beschäftigt, werden stillende Mütter angesprochen, die mehr Milch zur Verfügung haben, als für das eigene Kind erforderlich. Der Aufklärungsprozess, die Anleitung zur Spende und die Blutabnahme für das Spenderscreening erfolgen ebenfalls in der Neonatologie. Der Blutspendedienst versorgt ab dem Zeitpunkt der Spenderinnen-Registrierung die stillende Mutter mit etikettierten Milchfläschchen und einer Kühltasche für den Transport der Frauenmilch. Mitarbeiter des Blutspendedienstes holen die eingefrorene Frauenmilch aus der Neonatologie ab, wiegen die Milchfläschchen und führen eine optische Kontrolle durch.

Sicherheit ist oberste Priorität

Die Frauenmilchspende unterliegt dabei den gleichen strengen Kriterien wie eine Blutspende. Das heißt, auch das Blut wird auf durch blutübertragbare Krankheiten getestet. Nach einer zweiten Blutuntersuchung der Spenderin wird die von ihr gespendete Frauenmilch aufgetaut und gemischt. Die Milch einer Spenderin wird anschließend in Babyfläschchen in Portionen von circa 50 Millilitern abgefüllt und erhitzt. Durch das Erhitzen (auch Pasteurisieren genannt) wird die gespendete Milch keimfrei und haltbar gemacht.

Während der Pasteurisierung bleiben die für die positive Wirkung auf das unreife kindliche Verdauungssystem wichtigen Oligosaccharide (Kohlenhydrate) erhalten. Die so hergestellte Frauenmilch ist tiefgekühlt sechs Monate haltbar und kann nun unter Wahrung der Kühlkette an die Neonatologie ausgegeben werden. Dort wird die vom Blutspendedienst prozessierte Frauenmilch in kleinsten Portionen über 24 Stunden verteilt gefüttert. Von jeder hergestellten Frauenmilch-Charge wird eine Probe in einem externen Labor für Milchanalysen auf Sterilität und Nährstoffgehalt untersucht und ein weiteres Fläschchen jeder Charge verbleibt im Blutspendedienst als Rückstellprobe. Damit geht der Blutspendedienst weit über die für Lebensmittel geltenden gesetzlichen Vorgaben hinaus und orientiert sich an den Vorgaben für die Arzneimittelherstellung.

Die richtige Ernährung ist auch bei Säuglingen von Bedeutung

„Die richtige Ernährung der Frühgeborenen ist einer der Meilensteine in den Behandlungserfolgen der Neonatologie. Schon seit vielen Jahren ist bewiesen, dass Frühgeborene, die die Milch ihrer eigenen Mutter erhalten, weniger Komplikationen haben. Auch die neurologische Entwicklung ist besser“, stellt Prof. Dr. med. Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikum Frankfurt, die Bedeutung dieses Projekte heraus. Hinzu kommt, dass durch einen frühzeitigen Beginn der Ernährung mit Frauenmilch die Zeit der Ernährung über einen venösen Zugang kürzer wird, wodurch sich viele Infektionen verhindern lassen.

Ein einzigartiges Modell in Europa

Prof. Dr. Dr. h.c. Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor des DRK-Blutspendedienstes betont anlässlich der Eröffnung das Besondere: „Diese Frauenmilchbank ist ein bisher einzigartiges Modell in Deutschland. Die Erfahrung der Kinderärzte und Laktationsberater des Universitätsklinikum Frankfurt im Bereich der Ernährung von Frühgeborenen wird mit dem Wissen der Blutbank im Umgang mit menschlichem Material und ihren logistischen Möglichkeiten synergistisch genutzt. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über den gemeinsamen erfolgreichen Start mit unseren Projektpartnern.“ Die Kinderhilfestiftung e.V. Frankfurt am Main und der Frankfurter Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen e.V hat mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von jeweils 70.000 Euro und 40.000 Euro dieses Projekt maßgeblich mit auf den Weg gebracht.

Mit der Frauenmilchbank trägt der DRK-Blutspendedienst dazu bei, dass schon die allerkleinsten Patienten hervorragend versorgt werden. Dabei stellt er erstmalig auch ein Lebensmittel her.

BILDER ZUM BEITRAG

KOMMENTARE ZUM BEITRAG

Bettina Schneider 27.08.2019, 15:14 Uhr

Sehr gute Idee, ich hatte bei meinen Kindern so viel Milch, da wären noch einige Säuglinge satt geworden und ich hätte damals sehr gerne gespendet!!!

Schreiben Sie einen Kommentar