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Wir bleiben neugierig – und geben unheilbar erkrankten Leukämie-Patienten Hoffnung

05.07.2018

Stefanie Fritzsche

19 Prozent aller Blutpräparate in Deutschland werden für Patienten mit einer Krebserkrankung benötigt. Der DRK-Blutspendedienst stellt ganzjährig die Versorgung mit ausreichend Blutpräparaten dafür sicher. Neben diesen vielfältigen Aufgaben in der Versorgung engagieren sich die Mitarbeiter darüber hinaus auch in der Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einer zielgerichteten Patiententherapie. Wir forschen, damit noch mehr Patienten geholfen werden kann, beispielsweise in der Krebstherapie. Gemeinsam mit zehn Partnern aus sechs EU-Ländern unter der Führung des Uniklinikum Würzburg forscht der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen daran, die revolutionäre Immuntherapie mit sogenannten CAR-T Zellen für die Behandlung des Multiplen Myeloms in die klinische Anwendung zur Behandlung mit Patienten zu überführen. Das Multiple Myelom ist eine Form des Blutkrebses, die bisher als unheilbar gilt. Durch auf weißen Blutkörperchen fehlerhaft produzierte Antikörper unterdrücken diese Zellen durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser Form des Krebses.

Die Hauptaufgabe des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen ist die ausreichende Versorgung mit hochqualitativen und sicheren Blutpräparaten. „Hierzu wurde in den letzten Jahrzehnten ausführlich geforscht und so konnten wir auch insbesondere, was die Sicherheit der Blutpräparate angeht, durch die Entwicklung einer eigenen hochempfindlichen Methode zum Virusnachweis auch im internationalen Kontext erheblich beitragen.“ erläutert Prof. Dr. Dr. Erhard Seifried, Medizinischer Geschäftsführer, das Engagement des DRK. „Durch seine jahrzehntelange Arbeit auf dem Gebiet der Blutzellen hat sich der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen darüber hinaus eine spezifische hochprofessionelle Expertise auf dem Gebiet der Zelltherapie erarbeitet, die bei der Entwicklung von verschiedenen  Zell- und Gentherapeutika, auch zelluläre Immuntherapeutika zur Behandlung an Patienten eingesetzt werden können.“

Im Zentrum der revolutionären Therapieform stehen die sogenannten CAR-T-Zellen. Was sind diese Zellen und wie erfolgt die Therapie?
T-Zellen oder T-Lymphozyten, sind eine Unterart der weißen Blutkörperchen, die zum Immunabwehrsystem gehören. Im Rahmen der CAR-T-Zellen-Therapie werden dem Patienten gesunde T-Zellen aus dem Blut entnommen und im Labor gentherapeutisch mit sogenannten Chimären Antigen-Rezeptoren (CAR) ausgerüstet.  Ein CAR ist ein künstlicher Immunzellrezeptor, der der T-Zelle ermöglicht, Krebszellen spezifisch zu erkennen und abzutöten. Da CAR-T-Zellen ein lebendes Medikament ist, müssen dem Patienten nur wenige Millionen dieser Zellen gegeben werden, sie vermehren sich im Körper und kontrollieren im Idealfall langfristig ein mögliches Neuauftreten von Krebs. Im Reagenzglas und im Mausversuch haben sich die CAR-T-Zellen schon als wirksam erwiesen, jetzt sollen sie in einer Qualität hergestellt werden, dass sie Patienten gegeben werden können. Die Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienst entwickeln dabei als Experte für die Entwicklung klinischer Zellmedikamente das Präparat um es zudem für die spätere Anwendung im Rahmen der europäischen Therapiestudie herzustellen.

Was bedeutet dieser Durchbruch für die Patientenversorgung insgesamt?
Die bisherigen spektakulären Therapieerfolge für Krebspatienten mit weit fortgeschrittener Tumorerkrankung bedeuteten einen großen Durchbruch in der Heilung und Therapie von Krebserkrankungen. Das CARAMBA-Projekt und damit verbunden die Immuntherapie mit CAR-T-Zellen eröffnet dabei die Möglichkeit erstmalig Patienten mit einer Krebserkrankung zu helfen, die bisher keine Heilungschancen hatten. Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen Rückschlüsse zu, dass auch andere Krebsarten mit einer entsprechenden Immuntherapie behandelbar werden. Bereits in den USA konnten von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA kürzlich zwei dieser Arzneimitteltypen zugelassen werden. In klinischen Prüfungen zeigten bis zu 90 Prozent der an eine sogenannte B-Zell-Leukämie leidenden Patienten ein positives Ansprechen auf die Gabe von CAR-T-Zellen. Mit dem CARAMBA-Projekt bietet sich die Chance, diese Therapieform auch in Europa zu ermöglichen, bei einer Krankheit, bei der bisher keine Heilungschance besteht.


Informationen zum Projekt:
An dem EU geförderten Forschungsprojekt zur Krebsimmuntherapie mit Namen CARAMBA arbeiten zehn Partner aus sechs EU-Ländern mit, darunter vier klinische Spitzenzentren in der Krebsmedizin: neben dem Uniklinikum Würzburg (UKW), das als koordinierende Einrichtung das Projekt leitet, sind das italienische Ospedale San Raffaele (Mailand), die spanische Universidad de Navarra (Pamplona) und das französische Centre Hospitalier Regional et Universitaire de Lille (Lille) vertreten. Weitere Projektpartner sind die Patientenorganisation ‚Myeloma Patients Europe (MPE), der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen (BSD-DRK), das Bundesinstitut für Impfstoffe und Biomedizinische Arzneimittel (PEI), die Biotechnologie-Unternehmen NBE-Therapeutics (Schweiz) und T-CURX (Deutschland) sowie der französische Projektmanagementdienstleister ARTTIC S.A.S

Weitere Informationen zu dem Projekt, den Patienten und dem Team: https://www.caramba-cart.eu

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